Bildsprache, Assoziationen und Symbole

Zinkblechbedachung und Rost

Weshalb wir Symbole brauchen

Panta rhei (alles fließt) steht für die Heraklit’sche Erkenntnis, das alles sich in  – für uns meist kaum wahrnehmbarer – ständiger Veränderung befindet. Wir alle kennen Fotografien, die sich längere Belichtungszeiten zunutze machen, um den Eindruck von Bewegung, also zeitlichen Abläufen, zu erzeugen. Das Bild von Stromschnellen in statischer Landschaft von A. Adams. Der ’Einfußgänger‘ von O. Steinert. Das Foto der teils stillhaltenden, teils sich bewegenden Tauben auf dem Markusplatz in Venedig.  Sie sind Klassiker der Fotogeschichte.

Was aber, wenn Veränderungen in Zeiträumen vor sich gehen, dass sie mit diesem ’Trick‘ der Fotografie nicht darstellbar sind? Beispielsweise die Umwandlung von Eisen in Eisenoxyd. Seit Jahrhunderten haben die bildschaffenden Künste eine symbolhafte Bild’Sprache‘ entwickelt, die meist auch in der Fotografie funktioniert.

Veranschaulichung von Prozessen im statischen Bild

Der Blick von der Kranzgalerie eines öffentlich zugänglichen Turms in einer rumänischen Kleinstadt auf die umliegenden Häuser löste in mir spontan Assoziationsketten aus, die mich auf dieser Reise immer wieder beschäftigten. Wie haben Künstler sich in unterschiedlichen Stilepochen mit der Dimension der Zeit beschäftigt und zu welchen Lösungen sind sie gekommen, ’Zeit‘ in ihren Bildern darzustellen?
Scheinbar alles, was sich mir und meiner Kamera an diesem frühen Morgen bei dem Blick von oben auf die Stadt bot, schien statisch zu sein, und doch zeigte alles offensichtliche Spuren, die der ’Zahn der Zeit‘ dieser Stadt zugefügt hat. Menschen sind meist bemüht, das, was sie sich erarbeitet oder erworben haben, so gut sie können zu erhalten. Menschen sind meist bemüht, an dem was sie sich erarbeitet oder erworben haben, festzuhalten. Sozusagen es dem ’Zahn der Zeit‘ zu entreißen.
Die verzinkte Oberfläche soll die Blechdächer vor dem Verrosten bewahren … Ein langsamer aber -trotz allen Bemühens- unaufhaltsamer Prozess.

Bildsprache mit Hintergedanken

Damit hatte ich Wesentliches vor Augen und vor dem Objektiv meiner Kamera, das ich für ein gutes Ausgangsmotiv zu einem Darpanagram brauche: Einen spannungsrei-chen Farbkontrast mit feinen Differenzierungen und Verläufen, ein interessantes Thema und eine viel versprechende Grundstruktur.

Zum Thema Zeit, Wandel, Vergehen und Neubeginn hatte ich in Hinblick auf die Zahlenmystik eine achtfache Spiegelung oder zweifache Überlagerung einer Vierfachwiederholung angedacht.  Nach mehreren nicht erfolgreichen Versuchen stand ich vor der Frage, aufgeben oder neuer Anlauf?

Zahlensymbolik als ’Transportmittel‘

Die 9 steht in der Zahlenmystik für die Verdreifachung von Glück und Erfolg und somit auch für die ‚Vollkommenheit‘. Als ‘Hintergrund‘ ebenso wie für das Zentrum entschied ich mich für eine ’Negativumkehrung‘ als Symbol der Integration von Gegensätzen in einer dualen Welt (yin/yang; +/-; ♀/♂). Einzig die 9 ‘Säulen der Existenz‘ behalten ihre Färbung bei, egal ob positiv oder negativ.
Für die Mitte kombinierte ich die Ebene einer unregelmäßigen Fünffachteilung und einer inkompletten Vierfachwiederholung, die zusammen wieder die 9 ergeben, als weiteren Hinweis auf die Integration aller Aspekte in der Vollkommenheit.


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