Gedanken zur Kompositionslehre

... im Skulpturengarten ...

Das Spannungsverhältnis zwischen Harmonie und Gegensatz bildet einen der zentralen Antriebskräfte schöpferischen Handelns. Individueller Ausdruck entsteht aus dem bewussten Spiel mit Kontrasten. Sei es durch Klang, Farbe oder Form. In meinen Arbeiten als Fotograf und Gestalter von Darpanagrammen ist dieser Dialog zwischen Ausgleich und Konfrontation ein Leitmotiv. Die Suche nach Balance wird zum Prozess, in dem ich Wahrnehmung und Interpretation immer wieder neu verflechte.

Ein Urbedürfnis des kreativen Geistes

Ein Ausgangsmotiv, das schon in der Aufnahmesituation weitgehend monochrom angelegt ist, provoziert in mir Ideen zur Verarbeitung als Darpanagram  mit einem ’Kontrapunkt‘ als kompositorischem Gegengewicht. Dahinter steht eine zweifache Absicht. Einerseits, attraktive Spannung, also Aufmerksamkeit beim Betrachter hervorzu-rufen und andererseits einem tief in uns verwurzelten Harmoniebedürfnis nachzu-kommen.

In diesem Spannungsbogen der Emotionen bewegen sich nicht nur Musiker, Maler und Fotografen, sondern alle Kreativen, unabhängig davon, welche Kulturtechniken sie einsetzen um nach Ausdruck und Kommunikation zu streben.

Kontrapunkt als schöpferisches Prinzip

Ähnlich wie in der musikalischen Kompositionslehre mit der Einführung des Kontrapunkts zum ‘Cantus Firmus‘ sich das Risiko von Dissonanzen ergibt, lässt sich die Malerei und die Farbfotografie mit dem Setzen von ‘Kontrapunkten‘ durch Komplementärfarben, also von sich im Farbkreis (nahezu) gegenüberliegenden Farbakzenten, auf provokante Farbnachbarschaften ein.

Vom ‘Entweder-Oder‘ zum ’Sowohl-als-auch‘

Lange bevor solche Erkenntnisse Eingang in Ästhetiktheorien oder die Psychologie gefunden haben, sind Menschen mit ihrem Gestaltungswillen intuitiv diesen Prinzipien gefolgt. Das betrifft nicht nur die Farbwahl, sondern ebenso alle anderen kompositori-schen Aspekte wie Größenverhältnisse, Linienführung, Kontrastverteilung, u.v.a.m. bis hin zur Illusion der räumlichen ’Tiefenstaffelung‘ in der Fläche bei bildgebenden Verfahren wie beispielsweise die ’unmöglichen‘ Perspektiven eines M.C. Escher.

Spinnt man solche Gedankengänge weiter, wird klar, wie sehr wir in unserem (begriffli-chen) Denken einer Dualität verhaftet sind und zur ’Parteilichkeit‘ des ‘Entweder – Oder‘ neigen.
Das ’Sowohl-als-auch‘ müssen wir uns willentlich ‘erarbeiten‘ um es zulassen zu können.

Widersprüche und Harmonien

Ein Ausgangsmotiv, das schon in der Aufnahmesituation eine Spiegelung als ’Kontrapunkt‘ beinhaltet, ist mir zum Verarbeiten als Darpanagram willkommen. Die Entstehungsgeschichte des hier vorliegenden Darpanagrams ist in mehrfacher Hinsicht besonders.
Erstmals folge ich einer buchstäblich ‘erträumten‘ Idee: nicht durch Weglassen von Abschnitten das Ausgangsbild zu gewinnen, sondern indem ich den gesamten Inhalt so verforme, dass er den Umriss annimmt, von dem aus ich die Spiegelungen anfüge.
Damit vollziehe ich in einem frühen Stadium des Aufbaus einen weiteren Schritt der Abstraktion mit dem Ziel sich aus der ’Gegenständlichkeit‘ der konventionellen Fotografie zu lösen. Es geht (mir) nicht um einen ’Effekt‘, sondern um eine Einladung an den Betrachter, das Infragestellen der ‘Objektivität‘ des Objektivs, und damit des fotografischen Abbilds, leichter mit- und nachvollziehbar zu machen.

Das erste Mal folge ich einer lange ‘geträumten‘ Absicht, 9 Einzeltafeln zu einem Darpanagram zusammenzufügen. Das Gesamtmaß des Bildes beträgt damit
180 x 180 cm.


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