Reduktion als Stilmittel fotografischer Bildsprache
Als Kind spielte ich gerne mit meiner Oma ein Städtequartett. Das war ein Kartenspiel, in dem auch die “Alhambra“ vorkam, die richtigerweise der Stadt Granada zuzuordnen war. Für mich waren diese Namen damals so exotisch, wohlklingend und aufregend, dass sie mir im Gedächtnis blieben und möglicherweise haben sie dazu beigetragen, meine Neugierde zu wecken an allem, was mit Geografie zu tun hat.
Während ich mich als Jugendlicher für Kunst und Kunstgeschichte zu interessieren begann, dauerte es natürlich nicht lange, bis ich wieder auf diese Namen stieß. Dann sollten nochmals beinahe 40 Jahre vergehen, bis ich selbst nach Andalusien kam. Zu der Zeit beschäftigte ich mich zum wiederholten Mal mit der Kunst P. Mondrians und M.C. Eschers. Auf sehr unterschiedliche Weise waren ja beide mit Fragen von Reduktion ihrer Bildsprache bis hin zur Abstraktion beschäftigt. Eine Thematik, mit der ich mich damals im Zusammenhang mit meiner Reise-, Reportage- und Dokumentarfotografie intensiv auseinandersetzte.
Reduktion als Beschränkung oder Gewinn
Schon lange vor der Entwicklung der Farbfotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in der Kunst die Abbildung der farbigen Welt in Bildern, die sich auf monochrome Kontraste beschränkten immer wieder Thema. Allerdings hauptsächlich aus dem ’Mangel‘ an technischen Möglichkeiten oder der Finanzierbarkeit.
Als die Farbfotografie erschwinglich und damit populär wurde, erkannte man den ’Wert‘ der nun freiwilligen Reduktion auf monochrome Kontraste als Konzentrations-, Ausdrucks- und Stilmittel neu.
Weniger ist Mehr …
In assoziativer Anlehnung an Mondrians Bemühungen schrittweiser Reduktionen und Vereinfachungen von strukturgebenden Elementen seiner Bildkompositionen wählte ich bei der Aufnahme bereits eine Bildbegrenzung ohne Horizont. In meinem Bild sollte absichtsvoll die Betonung auf einer perspektivearmen Verteilung von, durch den Schattenwurf verstärkten, Grauwerten in der Fläche liegen.
Zwar entstand das Ursprungsbild als farbige Digitalaufnahme. Als ich Jahre später in meinem Bildarchiv wieder auf dieses Motiv stieß, existierte allerdings schon nur noch diese Schwarzweißversion. In diesem konkreten Fall empfinde ich das überhaupt nicht als ’Verlust‘. Ohne mich daran erinnern zu können habe ich vermutlich schon bald nach meiner Kulturreise durch das südliche Spanien entschieden, nur diese Bildversion für archivierenswert zu halten.
Aufmerksamkeit durch Irritation
Während der Arbeit an dem hier vorliegenden Darpanagram-Tableau wurde für mich immer wichtiger, nicht nur die Reduktion einer ursprünglich räumlichen Grauwertever-teilung in der Fläche zu thematisieren und damit das Strukturmuster des Bildes zu betonen, sondern durch Einfügen vergleichsweise geringer Dichteunterschiede die räumliche Illusion einer Leporellofaltung zu erzeugen, die wiederum durch die einfassende Ellipse und ihre ‘Schattenprojektion‘ auf die Fläche konterkariert wird.

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