Einheit und Gegensatz
Sosehr sich auch gesellschaftliche Entwicklungen, Ordnungsstrukturen und vorherrschende religiöse Orientierung in den verschiedenen Lebensräumen auf unserem Planeten Erde in den Details unterscheiden mögen, ist unter anderem auffällig, dass das Denken der Menschen überall von Gegensätzen mitbestimmt wird. Dem Hellen wird das Dunkle, dem Heißen das Kalte, dem Fröhlichen das Traurige, dem Toten das Lebendige gegenübergestellt. Zu all diesen opponierenden Begriffspaaren kennt jede Sprache meist sowohl über- wie auch untergeordnete Eigenschaften oder Begriffe, zu denen es wiederum einen gegenpoligen Begriff gibt. Da unsere Sprachen dem Denken entspringen, ist also unser Denken strukturell weitgehend bipolar angelegt.
Begrifflichkeit und Symbolik
Als die Menschheit begann, gesprochene Sprache ’festhalten‘ zu wollen, um verlässlich und damit auch verbindlich (z.B. für Vereinbarungen) kommunizieren zu können, waren mit Schriftzeichen gewiss nicht die ersten, aber sicherlich für die weitere Entwicklung wichtige Symbole erfunden. Das altgriechische ’symbolon‘ bezeichnete ein Etwas, das für etwas Anderes steht, also das (Schrift-)Zeichen ’A‘ beispielsweise für einen stimmlich gebildeten Laut.
Heute sind Symbole kaum mehr überschaubare Systeme, die ganze Wissenschaftszweige beschäftigen. Immer aber geht es um Zeichen, die für etwas anderes stehen. Die Gründe für ihre Entwicklung mögen sehr vielfältig sein, können im Bestreben der Vereinfachung und Beschleunigung von Kommunikation bestehen, ebenso wie im Wunsch nach ’geheimen‘ Botschaften, die nur ’Eingeweihte‘ zu entschlüsseln vermögen. Meist aber stehen sie mit ’assoziativen Verknüpfungen‘ im Zusammenhang. Das Medium, das ein Symbol transportiert kann sehr unterschiedlich sein und z.B. aus einem Graphem, einem Piktogramm, einer Form, einer Farbe, einem Gegenstand oder auch lediglich aus einer Geste oder einem Ton bestehen.
Kunst und Bedeutung
Kunst in all ihren Ausdrucksformen war immer und ist auch gegenwärtig voll vielschichtiger Symbolik und daher immer auch Objekt differenzierter Interpretationen. Absichtsvoll kennt die moderne Kunst die Stilrichtung des Symbolismus der gerne auch mit der Verquickung unterschiedlicher Symbolsysteme spielt. Zahlen-, Formen- und Farbensymbolik und ihre Kombination, die in ihrem Sinngehalt kontextabhängig sein kann, sind die in der bildgebenden Kunst am häufigsten angewandten.
Sichtbares Farbspektrum als Farbkreis
Jeder Punkt auf einer Kreislinie hat einen Gegenpunkt, der vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist und deren Verbindungsgerade von diesem exakt halbiert wird. Mit dieser geometrischen Definition der Kreisform schließe ich buchstäblich den Kreis zur bipolaren Struktur des menschlichen Denkens und liefere gleichzeitig die Erklärung der Komplementärfarbe als spannungsreichste Farbwahl in der Gestaltung eines Bildes.
Die assoziative Interpretation dieses Darpanagrams darf ich hiermit dem geschätzten Betrachter überlassen …

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