Geometrie
Kein geringerer als Albrecht Dürer hat das erste, eigenständige Werk in deutscher Sprache über die Geometrie (aus dem Altgriechischen für ‘Vermessungswesen der Erde‘) verfasst und in gedruckter Form veröffentlicht. Das war 1525, beinahe noch ein ganzes Menschenleben bevor René Descartes die Voraussetzungen dafür schuf, dass in der Mathematik im westlichen Europa die algebraische Beweisführung die Oberhand über die geometrische gewann.
Das Sechseck als Summe
Jedes regelmäßige Sechseck lässt sich in sechs gleichseitige Dreiecke, gruppiert um einen gemeinsamen Mittelpunkt, zerlegen. Die Winkelgleichheit dieser Dreiecke führt im Ergebnis dazu, dass das regelmäßige Sechseck über dem Quadrat die einzige geometrische Form bleibt, die sich in der Fläche in alle Richtungen zu einem lückenlosen Rapport ausbreiten lässt. So banal diese Beschreibung auf den ersten Blick erscheinen mag, so elementar wichtig ist sie für die Entwicklung ornamentaler Strukturen.
Mathematik und Kunst – ein Widerspruch?
Vermutlich würden die allermeisten zeitgenössischen Künstler*Innen und ihre Kunden einem solchen Statement spontan zustimmen. Seit alters her gilt die Mathematik nicht nur wegen ihrer inneren Logik als hohe Wissenschaft, sondern ebenso als hohe Kunst und seit jeher bemüht sich die Ästhetik um die ’innere Logik‘ in der (bildhaften) Kunst und fragt nach Zusammenhängen zwischen geometrischen/mathematischen Regelmäßigkeiten und dem, was wir Menschen als ’harmonisch‘ empfinden.
Geometrische Abstraktion als Kunstform
Geometrische Grundregeln spielen seit je her eine zentrale Rolle in jeder Kompositionslehre. Alle geometrischen Grundformen ebenso wie Schriftzeichen, Ziffern, die Farbwahl und die Flächenverteilung innerhalb eines Bildes transportieren nicht nur ihre spontan erfassbare ’oberflächliche‘ Bedeutung, sondern tragen ihre jeweils spezifische Symbolik in sich. Diese erschließt sich allerdings nur demjenigen Betrachter, der über einen gewissen Kenntnispool verfügt und bereit und in der Lage ist, sich darauf einzulassen. Die nahezu unerschöpflichen Kombinationsmöglichkeiten dieser Elemente bilden die Grundlage jeglicher ’geometrischen Abstraktion‘.
Sechs – Neun – Vier
Als ersten Verarbeitungsschritt für dieses Darpanagram wählte ich ein regelmäßiges Sechseck aus dem Ursprungsbild, um daraus den Rapport für den neunstrahligen Stern aufzubauen. Als ’ordnendes Zentrum‘ und ’meditativer Mittelpunkt‘ der Tulpenblüte, ein uraltes Symbol für die ’Geliebte‘, dient das Quadrat. Seinerseits ein Symbol für die allumfassende ’Ganzheit‘, also ’göttliche Vollkommenheit‘.

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