Museum für Kunst und Industrie
Der Name für das an der pompösen Wiener Ringstraße gelegene, im ‘Neorenaissance‘ Stil errichtete, Gebäude stammt aus Kaiserzeiten. Nach Beendigung der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde es gegen Ende der 1940er-Jahre in “Museum für Angewandte Kunst“ umbenannt, aber die kaiserliche Idee, Anschauungsmaterial in Form von ausgestellten Kunstwerken (“Museum“) und Ausbildungsstätte für zukünftige ’Designer‘ (’angewandte Kunst‘) unter einem Dach vereint zu lassen, wurde beibehalten.
Radikalität als künstlerischer Antrieb
Eine kuriose Besonderheit meiner persönlichen Geschichte ist, dass ich das MaK erst vor wenigen Jahren das erste Mal betreten habe. Obwohl ich schon als Gymnasiast in Wien viele Museen, teils wiederholt besucht habe und vage mit dem Gedanken spielte, ’irgendetwas‘ mit Kunst zu studieren, hätte ich es damals nicht ’gewagt‘, solche ’heiligen Hallen‘ einfach aus Neugierde zu betreten. Als ich gut zehn Jahre später mich doch zu einem Designstudium in Deutschland anmeldete, war ich immer wieder herausgefordert, meine tradiert geprägte Sichtweise auf und Meinung über den Beruf “Künstler/In“ zu hinterfragen und zu revidieren.
Persönlichkeiten wie A. Warhol und seine Rolle in der internationalen Kunstszene und J. Beuys im deutschen Kunst- und Kulturbetrieb und B. Brock als Ästhetiktheoretiker haben in mir zu viel Verunsicherung, tiefen Erschütterungen, letztlich zu radikalem Neudenken geführt …
Ausdruck von Individuation im gesellschaftlichen Kontext
Seitdem sich zu Beginn der Renaissance erste autonome Künstlerpersönlichkeiten herausbilden konnten, gehört es wohl zu den wesentlichen Grundeigenschaften von Künstler/innen, nicht nur zu sich selbst und dem eigene Œvre kritische Distanz zu wahren, sondern auch die Gesellschaft, in der sie leben, und wie diese sich verändert und ’entwickelt‘ kritisch zu hinterfragen, ihr einen -subjektiven- Spiegel vorzuhalten und somit auch ‘Einfluss‘ auszuüben. Kurz gesagt: Kunst ist, will sie über das gefällige Dekor (also ‘Design‘) hinauswachsen, immer -ob sie will oder nicht- auch ’politisch‘ im Sinne von gesellschaftlich relevant.
Kunst ist somit in historischer Sicht immer Teil gesellschaftlicher Veränderungen und gleichzeitig kritische Begleiterin derselben.
Kann man Kunst lernen?
So ist es kein Zufall, dass ich mein Darpanagram aus einer ’klassischen‘, sehr symmetriebetonten (’harmonischen‘?) Weitwinkelfotografie des, einem Renaissanceschloss nachempfundenen, überdachten Innenhof des MaKs entwickelt habe. Absichtsvoll habe ich dem ausgewählten Segment und seiner Spiegelung in der Negativumkehrung die Assoziation eines ’gefräßigen Schlunds‘, das ’vergitterte Fenster‘ ins Zentrum und das hoffnungsvolle ’Licht am Ende des Tunnels‘ als Möglichkeiten des individuellen Bewältigens in allen vier Bildecken mit auf den Weg gegeben. Auch der Aufbau des Darpanagrams als Fünfeck transportiert die Ambivalenz des Pentagrams als Symbol meiner eigenen Haltung gegenüber einer ‘Kunstschule‘ wie dem MaK.

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