“Be realistic – plan for a miracle“ *

Gemeindestraße bei Woltringhausen, Niedersachsen

Blau-Weiss …

In diesem Winter war alles anders. Die ersten frostigen Nächte hat es schon Anfang November gegeben. Zwar hat sich danach bald wieder eine Regenfront mit viel Wind aus dem Westen festgesetzt, doch schon in der Woche vor Weihnachten drehte die Drift wieder. Genau in der Nacht, bevor ich einen mir wichtigen Termin wahrnehmen sollte, wurde es kalt und, als ich mich kurz vor der Morgendämmerung auf die Fahrt vorbereitete, legte sich ein dünner Nebel übers Land und hüllte alles in ein trübes, schwer zu durchdringendes Grau.
Glücklicherweise kannte ich den Weg, aber dennoch war es anstrengend zu fahren und zu allem Überfluss setzte auch noch heftiger Schneefall ein.

Grau in Grau

Am Ende der Gespräche sah ich mich zwar nicht ganz erfolglos, musste aber akzeptieren, dass ich zu viel erwartet hatte und machte mich ohne konkretes Ergebnis auf die Rückfahrt. Es schneite immer noch. Zu Hause wartete jede Menge Arbeit auf mich. Ich fühlte mich lustlos, hungrig und hatte eine lange, voraussichtlich anstrengende Autofahrt vor mir.

Nach einer kurzen Pause in einem ungemütlichen Supermarktkaffee  machte ich mich auf den Weg. Immerhin ließ der Schneefall nach, es war nicht allzu viel Verkehr und ich entschied mich, weil ich keinerlei Eile empfand, nicht den längeren aber schnelleren Weg über die Autobahn zu nehmen, sondern Nebenstraßen zu fahren. Über weite Strecken war ich alleine unterwegs und während ich über die noch nicht vom Schnee geräumten Verbindungswege fuhr hellte sich nicht nur meine Stimmung langsam auf, sondern auch die Wolkendecke wurde zunehmend dünner.

Glückliche Wendung

Nur noch wenige Kilometer hatte ich bis nach Hause, als völlig unvermittelt die Wolkendecke aufriss und innerhalb weniger Minuten einem klaren Winterhimmel Platz machte. Erst in diesem Moment fiel mir ein, dass ich am Tag zuvor vergessen hatte, meine Fotoausrüstung aus dem Kofferraum mitzunehmen. Jetzt stellte sich diese Nachlässigkeit als Glücksfall heraus, denn eben bog ich an der Ausfahrt des Dorfes hinter dem letzten Gehöft auf eine kleine Verbindungsstraße ein und sah durch die Frontscheibe genau dieses Ausgangsmotiv. Ich brauchte nur anzuhalten, auszusteigen, mich mit der Kamera vor das Auto zu stellen, ein paar Mal den Auslöser  zu betätigen und wusste, der Tag hat sich letztendlich doch gelohnt!

Wandel, Neubeginn und Optimismus

Der Wandel, der Neubeginn, für den die achtfache Wiederholung in meinem Darpanagram symbolisch steht, war für mich am Tag der Entstehung dieses Ausgangsbilds mal wieder sehr direkt spürbar geworden. Zwar bedurfte es noch einiger Feinarbeit, bis ich den mir richtig erscheinenden Sektor gefunden hatte, um die Grundstruktur für dieses Bild daraus zu entwickeln, mit dem Ergebnis aber fühlte ich mich am Tag der Entstehung letztlich ähnlich zufrieden wie mit dem Tag, als ich das Ursprungsbild fotografierte.

*  “Sei pragmatisch – bleibe offen für Überraschungen“ (frei übersetzte buddhistische Weisheit)


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