Aufbruch in die ’Moderne‘
Von der ‘Französischen Revolution‘ bis zur einigermaßen stabilen Etablierung demokratischer Nationalstaaten vergingen über 150 sehr turbulente Jahre. Es scheint nahezu unendlich lange her zu sein.
Wenn man aber bedenkt, dass meine Großmutter, an die ich mich noch gut erinnern kann, 1875 zur Welt kam und ihr Vater nicht einmal 50 Jahre nach der FR geboren wurde, werden diese 150 Jahre persönlich nachvollziehbar.
Fotografie ’bedroht‘ die Kunst
Mein Urgroßvater war 12 Jahre alt, als der britische Physiker John Herschel, der mit H. F. Talbot, dem Erfinder des (schwarzweißen negativ/positiv) Verfahrens befreundet war, den Begriff der Fotografie für das neue Abbildungsverfahren prägte.
In den Jugendjahren meines Urgroßvaters war die ’Camera Lucida‘ das unter Künstlern und Illustratoren der aufkommenden Medienindustrie am weitesten verbreitete (mobile) Hilfsmittel, um die ’Natur‘ abzubilden. Für H.F. Talbot war sein (Selbsteinschätzung) ‘Unvermögen‘, damit ’gute‘ Ergebnisse zu erzielen, der nachhaltige Antrieb, die Entwicklung der Fotografie voranzutreiben. Die überwiegende Mehrzahl der kunsthandwerklichen Bilderzeuger sahen sich – verständlicherweise – durch die Erfindung Talbots und ihrer rasanten technischen Entwicklung und Verbreitung in ihrer Existenz bedroht.
Kunst als ’Kondensat‘ gesellschaftlicher Zustände
Unter dem Druck der sich zunehmend beschleunigt wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse und Produktionsbedingungen begannen sich, mit einiger zeitlicher Verzögerung, die Fortschrittlichsten unter den Künstlern zu Beginn des letzten Quartals des vorletzten Jahrhunderts, vom damals (noch) tonangebenden (rückwärtsgewandten) ’Historismus‘ abzuwenden und neue, zukunfts- und ‘jugend‘-orientierte Ausdrucksweisen zu entwickeln.
Kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das unter dem Einfluss des ‘Jugendstils‘ gestaltete (neue Baumaterialien und damit ’zukunftsweisende‘ architektonische Möglichkeiten) “Palmenhaus“ als neues tropisch-botanisches Schauhaus am Rand des “Volksgartens“ und unmittelbar hinter der innerstädtischen Residenz des Kaisers in Wien eröffnet.
Jugendstil und Fotografie – ein fortwährender Kontext
Jugendstil und Fotografie ist nun schon seit über 100 Jahren ein sich gegenseitig befruchtender und immer noch mit all seinen weiteren stilistischen Verästelungen einflussreicher (gesellschaftlich-kultureller) komplexer Entwicklungsprozess. Als ich ‘mal wieder – bei mir günstig erscheinenden Lichtverhältnissen – an diesem Gebäude vorbei kam, war es naheliegend, diese symbolträchtige ‘Brücke‘ zur zeitgenössischen Kunst dafür zu nutzen, um meinen gestalterischen Beitrag zu den stilistischen Wurzeln unserer Gegenwart in Form eines Darpanagrams zu versuchen.

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