Raum als Illusion

Raum mit Licht und Schatten

Raum – Licht – Fläche

“Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“.  Diesen Satz hat wohl jeder schon ‘mal gehört. Die Aussage ist auf vielen Ebenen zu interpretieren und zu deuten. Mir geht es hier um eine sehr konkrete Beziehung zwischen unserer optischen Wahrnehmung im Raum und ihrer Relativität zur Projektion in die Fläche. Für Künstler, die sich zur Kommunikation mit ihrem Publikum und der Öffentlichkeit vornehmlich fotografischer Techniken bedienen und sich damit aus freier Entscheidung vor allem physikalischen Gesetzmäßigkeiten  von Lichtwellen und Projektionen unterworfen haben, ist das ein immer währendes Thema im Rahmen der Fragen nach kritischer Überprüfung des eigenen Schaffensprozesses und individueller Ausdrucks- und Vermittlungsmöglichkeiten.

Fläche – Illusion – Raum

Die Kunstgeschichte kennt viele Bemühungen von Malern und Künstlern, die Fläche der Leinwand zu ’überwinden‘. Am pragmatischsten haben wohl diejenigen Künstler/Innen agiert, die sich als Konsequenz auch mit plastischen Werken an ihr Publikum gewandt haben oder eine Mischform zwischen Bildhauerkunst und Malerei in der Fläche für sich als Ausdrucksform entwickelten.

Die gesamte Kunstrichtung der Op-Art macht sich dieses ‘Dilemma‘ der bildhaften Kunst und dem Dreidimensionalen auf ihre Weise zunutze indem sie die Illusion des Raums in der Fläche zum Thema macht.

In der künstlerischen Fotografie gab es Bemühungen, verschiedene Techniken als stereoskopische Projektionen zur möglichen Überwindung der Zweidimensionalität zu etablieren, was sich aufgrund von Marktmechanismen nie über ein eher kurioses Nieschendasein hinaus entwickeln konnte.

Heute scheint sich die beinahe 100%-ig durchdigitalisierte Fotowirtschaft mit dem ‘Schein‘ der Dreidimensionalität nicht nur arrangiert zu haben, sondern diese ’Schwäche‘ des Bildes subtil zu ihrem (Marketing-)Vorteil zu nutzen, weil sie ohnehin hauptsächlich darum bemüht ist, Illusionen – also ’Maya‘ –  zu verkaufen. In seiner Konsequenz heißt das, bloß nicht an der Oberfläche zu kratzen.

’Kippebenen‘ zur Verdeutlichung der Illusion

Ich bewegte mich in einem (abgedunkelten) Projektionsraum einer großen Ausstellungshalle und wandte mich gerade dem Ausgang zu, als ich plötzlich stehenbleiben musste, als wäre ich an eine unsichtbare Glaswand gestoßen. Was ich da sah, traf mich so unvermittelt und heftig, dass ich im ersten Augenblick wie benommen war und es kaum glauben konnte. Das Bild war ebenso simpel wie überwältigend in seiner Klarheit und der Wucht seines Ausdrucks. Ich konnte beides gleichzeitig sehen: die enorme Tiefe des dreidimensionalen physischen Raums, als auch die klare Bildsprache der zweidimensionalen Komposition in der Fläche.

Bei der Schaffung dieses Darpanagrams stand ich vor der Aufgabe, das ’richtige‘ Segment aus dem Ursprungsbild zu wählen und durch geringe, aber erkennbare Dichte- und Tonwertunterschiede die aneiandergefügten Teilflächen als Gesamtbild so zum ’Tanzen‘ zu bringen, dass die Illusion der dritten Dimension durch den ’Kippeffekt‘ die gewünschte Spannung erzeugt.


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