Das Darpanagram als Pro-Vokation

Klssizistisches Treppenhaus

Fläche im Raum – Raum in der Fläche?

Während meines jüngsten Aufenthalts in der  ’Albertina‘  in Wien, eine der auch heute noch weltweit größten und bedeutendsten Kunstsammlungen aus habsburgischen Kaiserzeiten,  war ich nach dem Besuch mehrerer Schauräume und deren vielfältigen künstlerischen Themen und Eindrücken visuell hoch sensibilisiert. Ich befand mich in einem der Treppenhäuser, die einen Blick nach unten über mehrere Stockwerke erlauben. Die enorme räumliche Tiefe stand in meiner Wahrnehmung in krassem Gegensatz zur auffallend gleichmäßigen und weichen Beleuchtung. Das Mischlicht ließ mir den gesamten Raum in beinahe ’märchenhaften‘ Pastelltönen sehr ’flächig‘ erscheinen. Die wenigen dunklen Kontraste schufen darin eine eigenwillige Art von Schraffur. Ein Bild, das mich emotional ansprach. Das Ursprungsbild entstand absichtsvoll in einem Moment, in dem aus meinem Blickwinkel keine Besucher oder auch nur ihre Schatten zu sehen waren.

Sehgewohnheiten und Verarbeitungsschemata

Unsere visuelle Wahrnehmung scheint – vermutlich kulturell geprägt – einem bestimmten Schema zu folgen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ein Bild eine vollkommen andere Wirkung zu erzielen vermag, wenn wir es auf den Kopf stellen und damit unsere ’Sehgewohnheiten‘ irritieren?  … und was passiert, wenn wir das -als Künstler- innerhalb eines Bildes vorsätzlich tun?
Als ’Darpanagraf‘ bin ich natürlich nicht der erste Künstler, der sein Publikum mit diesen Fragen konfrontiert. Der Niederländer M.C. Escher war ein Meister darin und viele Künstler vor ihm haben schon mit diesen ’Effekten‘ gespielt.

Die Darpanagrafie tut es auf ihre Weise und besonders drastisch, in dem sie den Betrachter auffordert, den Schritt vom Ursprungsbild, einer die ‘Realität‘ wiedergebenden Fotografie (?), in das Darpanagram als künstlerisch gestaltetes Bild, nachzuvollziehen.

 ’Effekte‘ und ihre Sinnhaftigkeit

Mit zunehmender Entwicklung meiner Darpanagramme bin ich immer wieder selbst überrascht über ihre Wirkung. Häufig bedarf es gar nicht der großen Eingriffe wie der Gegenüberstellung von Kontrastfarben oder Positiv-Negativ-Montagen, um die Relativität menschlicher (visueller) Wahrnehmung deutlich zu machen. Immer öfter entdecke ich, wie gering die Eingriffe von mir als Künstler oft nur zu sein brauchen, um die ‘Illusion des Raums in der Fläche‘ dem Betrachter zu offenbaren.

Eine leichte Abschattung an der Spiegelungskante einer leichten Aufhellung (→“Weißhöhung“) gegenüberzustellen reicht beispielsweise, um den Eindruck einer ’Knickfalte‘ entstehen zu lassen; aus einer Kontrastlinie einen Grauverlauf zu erzeugen wird von beinahe allen Betrachtern als ’sphärische Räumlichkeit‘ aufgefasst…


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