Ein unglaublicher Biobaustoff

Was bitteschön sind denn Keratine?
“Wasserunlösliche Faserproteine“ sind eine Gruppe von Substanzen, die von Tieren gebildet werden können. So oder ähnlich ist es im Lexikon nachzulesen. Einem in Biologie nicht gut aus-gebildeten Menschen wie mich hilft das kaum weiter, ein Fremdwort durch andere zu ersetzen ebenso wenig. Wenn ich aber die Erklärung finde, dass Keratin der Hauptbaustein menschlicher Haare sowie Fingernägeln ist und von spezialisierten Hautzellen gebildet werden kann, komme ich einem Grundverständnis näher. Aus demselben Grundbaustein Keratin sind Pferdehufe, Schafwolle, Hirschgeweihe, Schuppen von Reptilien und – kaum zu glauben aber trotzdem richtig – auch Vogelfedern.
Bedeutung der Feder in Mythologie, Mode und als Symbol
Schon in den Mythologien der ältesten uns bekannten Kulturen spielten Vogelfedern immer eine besondere Rolle. Federn verleihen den Vögeln die Fähigkeit des Fliegens. Das alleine schon rief bei Menschen von jeher Neid und die Sehnsucht hervor, es irgendwie den Vögeln gleichtun zu wollen und zu können. Daneben aber können verschiedenste Vogelarten
– genetisch bedingt – unterschiedlichste Farbstoffe in Keratine einbauen. Entweder sie tun es, um sich mit einer Camouflage – also einer Tarnung – ausstatten oder charakteristische und extrem auffällige ’Federkleider‘ anlegen. Das dient zumeist der Attraktivitätssteigerung im Rahmen der Arterhaltung, in manchen Fällen aber auch – in Kombination mit anderen artspezifischen Verhaltensweisen- zur Abschreckung von Fressfeinden.
Die Eigenschaft der Attraktivitätssteigerung faszinierte Menschen aller Kulturen. Für die Mode waren deshalb Federn immer ein ganz besonderes Accessoire und sie bilden auch die Grundlage für das geflügelte Wort, “sich mit fremden Federn schmücken“.
Einfachheit und Faszination der Vielfalt
Der Biobaustoff Keratin fasziniert noch aus einem ganz anderen Grund. Er kann uns als höchst massives Material in Form eines Nashornhorns ebenso vorliegen wie in der äußerst empfindlichen, extrem leichten und biegsamen Struktur einer Vogelfeder. Letztere ist die naturgegebene Vorlage für die gesamte flügelbasierte Luftfahrtindustrie.
Einfachheit und Beschränkung aufs Wesentliche
Von einem meiner Waldspaziergänge brachte ich irgendwann diese Feder als Fundstück mit nach Hause. Monate später sah ich vom Frühstückstisch aus im Gegenlicht der gerade erst aufgegangenen Sonne die so wunderbar feinen Strukturen der Feder und ihre beinahe durchsichtig wirkenden subtilen Farbverläufe. Spontan entstand dieses Foto schon mit der Absicht, daraus ein Darpanagram entwickeln zu wollen. Gleich nachdem ich die Aufnahme im Kasten hatte, gingen mir die oben ausgeführten Gedanken durch den Kopf und ich war froh, keine spektakulär ’bunte‘ Feder, sondern dieses recht schlichte Exemplar als Ausgangsmaterial zu verwenden. So fiel es mir leichter, mich aufs ’Wesentliche‘ zu beschränken. Nicht nur die beinahe monochromen Farbverläufe sondern auch die absichtsvoll gewählte möglichst geringe Tiefenschärfe betonen den Unterschied zwischen der unmittelbaren Anschauung des Auges und der fototechnischen Projektion auf die Ebene des Bildsensors.
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