Begriffe und deren Bilder transportieren Emotionen
Wahrgenommenes Chaos ist mit Angst oder Abwehr bis hin zu Aggression auslösenden Emotionen verbunden. Chaos wird mit Kontrollverlust assoziiert. Alle Lebewesen brauchen aber, um den Erhalt der Art zu sichern, in einem gewissen Maß verlässliche Rahmenbedingungen. Sind solche Minimalbedingungen nicht mehr gegeben, geht die Spezies unter.
Daraus erklärt sich unser tief verwurzeltes Bedürfnis, in der mit unseren Sinnen erfahrbaren Umwelt Ähnlichkeiten zu erkennen und damit in das uns umgebende Chaos Ordnung zu bringen. Vergleichbare Abläufe helfen uns, unser Überleben zu sichern. Ordnung und Struktur, also sich zumindest ähnlich wiederholende Ordnungsprinzipien sind Denkleistungen, ohne die wir nicht überleben können. In Strukturen, die wir über einen gewissen Zeitraum als verlässlich wahrnehmen, können wir uns ‘sicher‘ fühlen und empfinden sie deshalb als ’harmonisch‘. Diese Erfahrungen sind so existenziell und damit so tief in uns verankert, dass schon die Benutzung der Begriffe oder Bilder, die wir damit assoziieren die damit verknüpften Emotionen auslösen.
Das Dilemma der Harmonie
Nachweislich war bereits in der griechischen Antike nicht nur der Begriff der ’Harmonie‘ bekannt sondern auch der Streit darum, was darunter zu verstehen sei und was unter welchen Kriterien als ’harmonisch‘ gelten darf. Ähnlich wie die Ästhetik verweigert sich die Harmonie hartnäckig dem Zugriff der Wissenschaften. Zwar lassen sich allgemeine Formulierungen finden, die Bedingungen für Harmonien beschreiben. Das sind allerdings lediglich ‘notwendige‘, aber keine ‘hinreichenden‘ Voraussetzungen für Harmonie.
Von Leonardo da Vinci ist überliefert, dass er sich der einschlägigen Diskussion kategorisch verweigert hat. Das sei verschwendete Zeit! Ein Künstler wisse eben, was das ist – oder eben nicht! Die Diskussion darum geht dennoch weiter und jede Zeit liefert ihre eigenen (unbeholfenen?) Erklärungen dazu. Klar ist immerhin, dass Harmonie ohne Spannung nicht auskommt, will sie nicht an ihrer eigenen Langeweile zugrunde gehen. Siehe meinen Beitrag zu ’Kontrapunkt‘.
Die Verlockungen der Einfachheit
Motive, die augenfällig schon in sich einfache und klare Strukturen zeigen, lösen in mir Erwartungen aus, sie auch einfach zu ’attraktiven‘ Darpanagrammen verarbeiten zu können. Meine Erfahrung lehrt mich inzwischen anderes.
Ein bedeutsamer Wesenszug von Darpanagrammen ist, Strukturen durch Spiegelungen und Wiederholungen in der für uns wahrgenommenen Gewichtung zu verändern, neue Bezüge von Bildelementen zueinander herauszuarbeiten. Das führt, beinahe erzwungener maßen dazu, dass Strukturdetails, die im Ausgangsbild von meinem Gehirn als ’weniger wichtig‘ eingestuft und damit in meiner Wahrnehmungshierarchie heruntergestuft werden, beim Aufbau des Darpanagrams unvermittelt ’aufgewertet‘ werden.
Hier liegt ein sehr prägnantes Beispiel dafür vor: Als ich das Motiv entdeckte, war natürlich der Gegensatz zwischen dem starken Rautenraster der Einfassung und der zarten Farbigkeit in der Transparenz des Glases ein Aufmerksamkeit erregender Impuls. Bei der Ver- und Bearbeitung des Ausgangsbildes reichte eine relativ leichte Farbverschiebung, um die Hierarchie der Aufmerksamkeiten deutlich zu verändern. Daraus ergab sich für mich zwar intuitiv aber folgerichtig die Entscheidung für eine Neunfachteilung und daraus wieder die mehrdeutige Verschränkung der Dreiecksymbolik.

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