Abstrakte Fotografie?

Spiegelungen in einer Blankstahlplastik

Zur Verfahrenstechnik

Die sogenannte ’analoge‘ Fotografie ist in ihren Grundzügen nichts weiter als ein technisches Verfahren, um unter Ausnutzung optisch-physikalischer Gesetzmäßigkeiten in die Fläche projizierte Bildpunkte durch chemische Prozesse mehr oder weniger dauerhaft zu konservieren. Aus der Menge und Verteilung der Bildpunkte in der Fläche ist unser Gehirn imstande, ein ’wiedererkennbares‘ Bild zu interpretieren. In der heute allgegenwärtigen digitalen Fotografie sind zwar die angewandten Techniken etwas mehr ‘sophisticated‘, das Prinzip und das Ziel der Anwendung bleibt aber das Selbe.

Fotografie, Licht und Motiv

Das für unser menschliches Auge sichtbare Licht hat die Eigenschaft, von Oberflächen der uns umgebenden Gegenstände entweder in unterschiedlichen Qualitäten reflektiert oder durchdrungen zu werden. Genau das versucht die Fotografie so gut es eben geht, nachzuahmen. Ohne Gegenstand, der abgebildet werden soll, als ’Bildvorlage‘ oder Motiv macht Fotografie keinen Sinn, außer zur Untersuchung von Lichteigenschaften selbst.
Der Sonderfall der sogenannten ’Generativen Fotografie‘ darf in dem hier thematisierten Zusammenhang außer Betracht bleiben. Dazu an anderer Stelle mehr.

Zur Begrifflichkeit der Abstraktion

Geht man rein formal von dem aus, was der Begriff Abstraktion beschreibt, nämlich ein ’Weg-Ziehen‘, als das Weglassen (wesentlicher?) Eigenschaften des Abbilds zur Wiedererkennung der Bildvorlage, wäre zumindest jede Schwarzweißfotografie eines farbigen Gegenstands in zweifacher Hinsicht eine Abstraktion:
Erstens fehlt jedem fotografischen Abbild die Räumlichkeit (die dritte Dimension) als zumeist doch wesentliche Eigenschaft des Motivs. Die ‚Räumlichkeit‘ in der Fläche bleibt immer Illusion.
Zweitens fehlt dem fotografischen Abbild als ‚Momentaufnahme‘ in mehrfacher Hinsicht die Zeit (die vierte Dimension) als wesentliche Eigenschaft unserer Existenz. Die kann und muss von uns beim Betrachten ’konventioneller‘ Fotografie immer mitge-dacht werden.

Zeit in der Fotografie

Nach Auffassung vieler Fotografen liegt genau darin, dass es mit den Mitteln der Fotografie möglich sei, den Augenblick -der Belichtung- dem unbarmherzigen Fluss der Zeit zu ’entreißen‘, die Qualität und die ’Kunst‘ der Fotografie. So hilfreich diese Aussage über Fotografie in mancherlei Hinsicht auch sein mag, so leicht lässt sie sich bei genauerer Betrachtung als (Selbst-?)Täuschung und als logisch nicht zu Ende gedacht erkennen.

Ein weites Feld der Möglichkeiten …

Schon die hier jeweils nur angesprochenen Gedankenstränge lassen die umgangs-sprachliche Verwendung des Begriffs der ’Abstrakten Fotografie‘ fragwürdig erscheinen. Das Unvermögen des Betrachters, das Foto eines Gegenstands als Abbild eines solchen zu erkennen, kann nicht als belastbares Kriterium dienen, ein Bild als ’abstrakt‘ zu klassifizieren.
Es zeigt sich: Die Übergänge zwischen ‚gegenständlich‘ und ‚abstrakt‘ sind sehr fließend. Das zu erkennen erschließt ein höchst spannendes und nahezu unerschöpflich weites Feld an kreativen Möglichkeiten. Ein Hoch auf die Kunst …!


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