Gedanken zur Motivwahl

Rosarote Orchidee; Phalaenopsis

Was eigentlich ist Intuition? 

Die Frage nach den Kriterien für die Auswahl der Ursprungsmotive für meine Darpanagramme stellte sich mir, als ich vor mehr als zehn Jahren begonnen habe, so zu arbeiten, noch nicht. Ich folgte meiner Intuition und entdeckte mit beinahe jedem Bild, das mir gelang, so viele neue Möglichkeiten, dass ich zeitweise wie im Rausch oft nächtelang bis zur Erschöpfung arbeiten musste.

Auf den Weg gebracht hatte mich anfangs ein technisches Motiv mit sehr einfachen, klaren Strukturen. Bald kamen Architekturaufnahmen dazu und auch an, meist monumentalen Landschaften machte ich einige Versuche.

Meine schon früh entwickelte Neigung, meine Arbeit zu systematisieren und selbstkritisch zu hinterfragen ebenso wie wiederkehrende Neugierde aus meinem persönlichen Umfeld veranlassten mich bald, mich mit ’Intuition‘ nicht mehr zufrieden zu geben.

Intuition und Intellekt – Widerspruch oder Ergänzung?

Liest man in Lexika oder Fachbüchern nach, stößt man auf ’Spontanentscheidungen‘ aufgrund ’impliziten‘ Wissens im Gegensatz zu ’diskursiven‘, vom analytischen Intellekt begründbaren Entscheidungen. Aus der Psychologie, der Medizin, der Physiotherapie und aus den Neurowissenschaften  kennen wir den Begriff des Reflexes als neurolo-gische ‘Kurzschluss‘-reaktion‘ im Gegensatz zur reaktiven, überlegten Aktion.

Abweichend von der gültigen wissenschaftlichen Lehrmeinung scheint mir in der Intuition ein vergleichbares Phänomen vorzuliegen. Ähnlich wie der Reflex ist die Intuition nämlich trainierbar. Aus dieser Selbstbeobachtung kann ich schließen, dass das ’Bauchgefühl‘ in Wahrheit auf abgespeicherten Erfahrungen beruht, die als ’Reflex‘ des vegetativen Systems im Bedarfsfall über den Solarplexus (unbewusst) abrufbar sind, ohne den ‘Umweg‘ übers Gehirn nehmen zu müssen. Meine Lebenserfahrung bestätigt mir diese Vermutung und entlarvt letztlich die allermeisten ’intuitiven‘ Entscheidungen als entweder unreflektiert oder als ‘Wissen‘, das man -aus guten Gründen (?)- lieber für sich behalten will.

Ordnungsprinzipien als intellektuelle Leistung

Die Existenz schert sich nicht um ’Ordnung‘. Wir Menschen allerdings haben ein großes, existentielles Interesse, im ’Chaos‘ der Welt Prinzipien und Analogien zu erkennen und daraus Strategien zu entwickeln um unsere Überlebenschancen zu verbessern.

Analogien und Prinzipien lassen sich in jedem meiner Darpanagramme finden, unabhängig davon, ob ich als Ausgangsmotiv die Abbildung eines technischen Produkts -also ein von Menschen gestaltetes Objekt-, oder eine von der Natur hervorgebrachte Erscheinungsform wähle, denn alle Technik haben wir Menschen letztlich der Natur entnommen.

Bildsprache, Klarheit und Prägnanz als Grammatik

Zur Verarbeitung zu einem Darpanagram ist nicht so sehr entscheidend, was abgebildet ist, sondern vielmehr wie.
Bevor die konkrete Arbeit beginnt, kommt es vor allem darauf an, welche Formenanalogien finde ich bereits im Ausgangsmotiv und durch welche Verarbeitungsschritte kann ich welche Fragestellung verdeutlichen.
Um den Weg zu finden, bedarf es Ruhe und Konzentration, Meditation und Erfahrung als Fundament der ’Intuition‘. Die Fotomontage ist mit der Karikatur verwandt. Beide benutzen die Steigerung und Übertreibung zur Verdeutlichung. Auch dieser Aspekt will bei der Schaffung eines Darpanagrams immer mitgedacht sein.


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