Entwicklung und Wandel

Säule mit Blätterkapitel

Dekore als Symbole stetiger Veränderung 

Beinahe 500 Jahre ist es schon her, dass die größte Kirche in der Altstadt von Leipzig eine wichtige Rolle in der Reformationsbewegung im deutschsprachigen Europa spielte. Martin Luther persönlich predigte hier. Rund 200 Jahre später führte hier der überragende Komponist J. S. Bach seine revolutionäre Johannespassion zum ersten Mal auf.

Ursprünglich im romanischen Stil errichtet, wurde die Nikolaikirche mehrfach erweitert und umgebaut und erhielt ihren heute noch erkennbaren Grundriss mit der spätgotischen Ausgestaltung im 15. und 16. Jahrhundert. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich als Folge der Aufklärung in der Architekturtheorie klassische und idealistische Konzepte durch, die der Kirche im Rahmen einer Komplettsanierung im dreischiffigen Inneren ihr heutiges Aussehen verlieh. Besonders auffällig sind die hellgrünen Palmenkapitelle und die im dorischen Stil kannelierten und hellrot eingefärbten Verblendungen der ursprünglich gotischen Säulen. Zusammen mit den weißen Rosetten in den Gewölbefeldern bilden sie den dominanten Farbakkord im Haupt- und den beiden Seitenschiffen.

Wo die ‘friedliche Revolution‘ begann …

In dieser Kirche haben zu Beginn der 1980-Jahre, weitestgehend von der Öffentlichkeit noch unbemerkt, unter der Schirmherrschaft des  Superintendenten, die ’Friedensgebete‘ begonnen. Erst zu Beginn des Jahres 1989 erwuchsen daraus und jeweils im Anschluss die ’Montagsmärsche‘, deren Teilnehmerzahlen mit jeder weiteren Woche nahezu exponentiell zunahmen, bis sie im Oktober und November desselben Jahres so groß wurden und zuletzt zeitgleich in vielen Städten der damaligen DDR stattfanden, dass die Staatsmacht selbst davon durchsetzt war und es nicht (mehr?) wagte, mit Waffengewalt dagegen vorzugehen.

Die Stellung der Kirche und die damit verbundene Hoffnung

Als ich von diesen Vorgängen durch die Medien der BRD erfuhr, war unsere Tochter noch keine zwei Jahre alt. Natürlich war auch ich als junger Vater, der aufgrund mehrerer Besuche in Provinzstädten der DDR die alltäglichen Lebensumstände kannte, von der allgemeinen Euphorie, wenn auch abgeschwächt und kritisch-distanziert, ergriffen. Über die Details der Entwicklung war ich aber nur sehr bruchstückhaft informiert.

Das änderte sich erst beinahe 35 Jahre später durch meinen mehrtägigen Besuch dieser tollen Stadt Leipzig. Als ich nach detailliertem Studium der jüngeren Geschichte das erste Mal in meinem Leben die Nikolaikirche mit großem Respekt vor dem Mut der damals aktiven Menschen betrat, war mir vom ersten Augenblick an klar, dass ich aus wenigstens einem der Fotos, die ich hier machen würde, als Ehrerbietung ein Darpanagram gestalten musste!

Kunst und Politik – ein immer spannungsreiches Verhältnis

Ist meine Kunst also politisch? JA! Ohne parteipolitisch zu sein ist und soll meine Kunst im besten humanistischen Sinn des Wortes ’politisch‘ sein, also eine gesellschaftliche Wirkung entfalten. NEIN, ich mache mich nicht zum Büttel von Machthabern, sondern mit jedem meiner Bilder appelliere ich an den kritischen Geist der Betrachter/Innen: “schau genau hin“! Dieser Appell bezieht sich nicht nur auf das Bild, sondern auf unsere Geschichte und  alle gesellschaftlichen Verhältnisse und Vorgänge. Bei allen unseren (notwendigen!) Verschiedenheiten, seht auch die Gemeinsamkeiten und Harmonien! Beides ist für eine freiheitliche Demokratie über-lebenswichtig!


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert