Eigenständigkeit und Vielfalt

Brunnenpavillon

Historischer Überblick 

Gibt es eine andere Stadt auf unserer Erde, an der man auf engstem Raum besser den Segen kultureller Vielfalt und gegenseitiger Befruchtung sehen, erleben, bestaunen und studieren kann als Istanbul? Wahrscheinlich schon lange bevor griechische Siedler an der Stelle eine eigenständige Stadt namens Byzanz rund 660 Jahre vor u. Zr. gründeten, war dieser strategisch so bedeutende Platz  an der Südspitze der Meerenge, die wir heute unter dem Namen ‘Bosporus‘ kennen, besiedelt. Der Bosporus ist die natürliche Verbindung zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer, das an seinem Südwestende mit den Dardanellen die Verbindung zur Ägäis und zum Mittelmeer herstellt.

Das heutige Istanbul, eine griechische Gründung, stand über 1.000 Jahre unter römischem Einfluss. Vom römischen Kaiser Konstantin unter der Bezeichnung ’Nova Roma‘ ausgebaut und erweitert, war von ihm zum Hauptsitz erkoren und nach seinem Tod als ’Konstantinopel‘ Hauptstadt des ’Byzantinischen Reichs‘ (’Reich der Römer‘).

Erst Mitte des 15. Jahrhunderts konnte die Stadt von den Osmanen erobert und zur Hauptstadt ihres Reichs gemacht werden, das bis nach dem 1. Weltkrieg Bestand hatte. Aufgrund ihrer geografischen Lage, die auch fast immer eine Schnittstelle verschiedener Kulturen war, gibt es wohl kaum eine andere Stadt, die so viele Kriege überstehen musste wie Istanbul.   


Tradition und religiöse Prägung

Kultur im umgangssprachlichen Sinn umfasst alles, was den Umgang von Menschen untereinander und ihren Einfluss auf ihre Umwelt ausmacht. Welchen Rahmenbedin-gungen sich eine größere Gruppe von Menschen (Gesellschaft) gemeinsam unterwirft um ein gedeihliches Fortbestehen zu organisieren, hängt neben den vorgefundenen Gegebenheiten vor allem von mehrheitlich übernommenen ’Glaubenssätzen‘ ab und von dem, was sich zuvor schon bewährt hat. Damit ist klar, dass bei Kunstbetrachtun-gen als ’Teilmenge‘ jeder Kultur die Geschichte/Tradition und die Religion immer mitge-dacht werden müssen.

Austausch und Einfluss

Zumindest während friedlicher Perioden unter verschiedenen kulturellen Einflüssen und Prägungen versammelte Istanbul so viele herausragende Künstler unterschiedlichster Provenienz wie kaum eine andere Stadt. Künstler sind ’naturgemäß‘ vermutlich dieje-nige soziale Gruppierung, die am ehesten empfänglich ist für ’neue‘ oder andere Ideen und immer auf der Suche nach Verbesserungen ihrer eigenen Ausdrucksmög-lichkeiten und offen dafür, ’Anderes‘ zu tolerieren, anstatt es bekämpfen zu ‘müssen‘. Manifestationen dafür findet man in Istanbul buchstäblich auf Schritt und Tritt. Das ist wohl mit ein Grund für die Faszination dieser Stadt und ihre unerschöpflichen Fotomotive.


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