Bedeutungsvielfalt und Beziehung

Schwertlilienblüte / Iris

Iris und ihre Geschichte 

Je nach dem Kontext, in dem der Begriff ’Iris‘ uns begegnet, müssen wir scheinbar ganz unterschiedliche Dinge damit erdenken. In dem Wissensgebiet der Flora, also dem Teilgebiet der Biologie, das sich mit den Pflanzen beschäftigt ’verlinken‘ wir damit ein ganz anderes Vorstellungsbild als in der Fauna, die zwar auch zur Biologie zählt, sich aber mit tierische Lebensformen befasst.
Der Althistoriker assoziiert mit dem Begriff der Iris quasi reflexhaft ein anderes Bild als der Wetterkundler, der Heraldiker, also jemand der sich mit Wappenzeichen, Symbolen und deren Bedeutung befasst, folgt mit dem Begriff anderen Assoziationsketten als der Namenforscher.

Die Göttin

Der Begriff ’Iris‘ taucht bereits im Altgriechischen auf und bedeutet ‘Regenbogen‘. Eine wissenschaftlich-physikalisch korrekte Erklärung dieses Naturphänomens war mit der damaligen Vorstellung, was Licht ist, noch nicht zu leisten und so verwies der Begriff in die Mythologie. Iris die Götterbotin (neben Hermes als männlichem Pendant) galt (man beachte das tiefsinnige Konstrukt!) als ‘Vermittlerin‘ zwischen Himmel und Erde und ‘Mutter des Eros‘. Die Frage, ob die ’Mutter des Eros‘ zuerst und dann der Regenbogen da war, oder umgekehrt, bleibt hier absichtsvoll unbeantwortet.

Die Biologie

’Iris‘ (wissenschaftlich korrekt ’Iridaceae‘ bezeichnet in der Biologie eine höchst variantenreiche Gattung innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen. Farbenpracht und Formenvielfalt ihrer auffällig großblättrigen Blüten haben Menschen seit jeher fasziniert. Von daher liegt die assoziative Verknüpfung zum Regenbogen nahe.
In der medizinisch-funktionalen Beschreibung des Säugetierauges wird derjenige kreis-förmig ausgebildete, mit Farbpigmenten individuell eingefärbte Teil der Gewebs-schicht, der den Übergang von der Hornhaut zur weißen Augenhaut bildet, als Iris bezeichnet. Sie sorgt auch, durch ihre Elastizität und ihre glatte Muskulatur in Verbind-ung mit den Lichtempfindlichen Zellen im Inneren des Auges für die Dosierung der Lichtmenge, die ins Auge gelangen kann. Durch die je individuelle Pigmentverteilung eignet sich die Iris als  biometrisches Identi-fikationsmerkmal und wird in der Medizin zur Diagnostik genutzt.

Die fast immer in fotografischen Aufzeichnungssystemen, zumeist technisch als Lamellenblende, eingebaute Lichtmengenbegrenzungseinrichtung ist der Regen-bogenhaut des Auges nachempfunden und wir deshalb auch als Irisblende be-zeichnet.

Das Symbol

Heraldiker denken primär bei dem Begriff an die Pflanzen, die wir als Iris bezeichnen. Abbildungen Ihre Blüten haben, wegen ihrer auffallenden Formen und Farben in unterschiedlich-sten Stilisierungen ungefähr seit der ersten Jahrtausendwende Eingang in Wappenbilder bis hin zur ’französischen Lilie‘ gefunden.

Die Optik

Das optische Phänomen, dass Oberflächen, abhängig vom Einfallswinkel des Lichts bzw. des Betrachtungswinkels in unterschiedlichen Farben erscheinen, wie wir es gelegentlich bei Seifenblasen im Sonnenlicht oder Ölfilmen auf Wasserpfützen beobachten, bezeichnen wir als ’irisierend‘ und beschreiben damit die ‘schillernde Farbenpracht‘ des Gesehenen. Ähnliches zeigt manchmal auch die Oberfläche von weißem Satin, auf den dieses Darpanagram gedruckt ist.

Die ’schillernde Persönlichkeit‘

Die Verwendung von ’Iris‘ als Frauennamen erfreut sich in europäisch beeinflussten Kulturen seit Ende des 2. Weltkriegs zunehmender Beliebtheit. Sie knüpft gewiss assoziativ an die ’Göttin des Regenbogens‘ an. Auffallend ist, dass viele Frauen mit Vornamen Iris hoch qualifizierte Berufe ausüben oder als Schauspielerinnen oder in ähnlichen Tätigkeiten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichen. Iris als Inbegriff gleichsam ’überirdischer Schönheit‘ und ’schillernder Persönlichkeit‘ der neugebore-nen Tochter durch die Namenswahl mit auf den Lebensweg geben zu können darf aber getrost dem Wunsch als Vater des Gedankens zugeordnet werden.


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