Farben und Emotionen

Aus Erfahrung  weiß jeder Mensch, dass wir der Wahrnehmung von Farben emotional nicht ’neutral‘ gegenüber bleiben können. Häufig reagieren Menschen, unabhängig davon, wo auf der Erde sie aufwachsen, ähnlich auf Farben, aber auch das kulturelle Umfeld, in dem wir uns bewegen beeinflusst und prägt unsere emotionale Reaktion auf Farbwahrnehmungen. Daraus hat sich eine Farbensymbolik entwickelt und etabliert, die sich im Lauf der Geschichte verschoben aber kaum grundlegend verändert hat.
Wir nehmen reflektierte Lichteinstrahlung von Gegenständen optisch als rot wahr, wenn ihr langwelliger Anteil hoch ist. Werden die elektromagnetischen Wellen noch länger, fallen sie aus unserem optisch wahrnehmbaren Segment, dem sogenannten Spektrum heraus. Das bedeutet, wir sehen sie nicht mehr, sondern können sie ‘nur‘ noch über unsere Thermorezeption  wahrnehmen. Diesen Wellenlängenbereich bezeichnen wir als Infrarot.

Die Farbe Rot als Symbol

Auch langwelliges sichtbares Licht, also Rot, sehen wir nicht nur, sondern nehmen es thermosensorisch als Wärme wahr. Langwellige elektromagnetische Strahlungen dringen in unser Biogewebe, also Haut- und Unterhautschichten vergleichsweise tief ein. Deshalb wird sogenanntes Rotlicht in der Physiotherapie zur Unterstützung von Heilungsprozessen genutzt.
Rot wird nicht nur physisch sondern auch psychisch als ’warm‘ empfunden.

Eine andere Elementarerfahrung ist, dass bei fast allen physischen Verletzungen Blut sichtbar wird. In solch einer Situation ist höchste (Lebens-)Gefahr im Verzug. Es ist also naheliegend, vor Situationen, die solche Gefahren in sich bergen, mit roter Farbe zu warnen.

Kulturgeschichtliche Prägung

Die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft wird bis in unsere Gegenwart in hohem Maße von der größten religiös dominanten Gruppe maßgeblich geprägt. Das muss bei jeder kunsthistorischen Betrachtung und der Farbsymbolik berücksichtigt werden.

Rot steht also symbolisch für Wärme, für Leben, für Mütterlichkeit, also für Liebe, für Aufgeregtheit, Verliebtheit und damit wieder für Wärme und Zuneigung.
Gleichzeitig aber eben auch für Warnung und höchste Gefahr, für Aggression und Durchsetzungskraft, für Dominanz und Erfolg. Die Religion warnt vor dem -roten- Fegefeuer in der Hölle und dem Teufel, dessen Erkennungsfarben immer rot und schwarz sind. Der ’Teufelskreis‘ schließt sich in einer patriarchal-religiös dominierten Kultur mit der Warnung vor dem Weiblichen im Rot der menstruierenden Frau.

Bemerkenswert ist, dass sämtliche Gefahrenhinweisschilder für den Straßenverkehr in Deutschland ein schwarzes Piktogramm auf weißem Grund zeigen, das durch ein stehendes Dreieck (beachte die Formsymbolik!) mit breitem rotem Rahmen eingefasst ist. Es gibt lediglich eine einzige Ausnahme: Der Warnhinweis auf der benachrangten Straße vor der Einmündung oder Kreuzung wird durch ein rot eingerahmtes hängendes Dreieck ohne Piktogramm im weißen Feld  dargestellt.

Farben und Formen

Der tiefrote Blütenkelch war seit jeher in der bilderschaffenden Kunst ein Symbol für die Vulva und die weibliche Sexualität.  Die Komplementärfarbe Grün steht für Fülle, Fruchtbarkeit, Reichtum, für Lebensfreude, Jugend, Zukunft und Glück. Zur Raute und ihrer Formsymbolik habe ich mich an anderer Stelle schon geäußert.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert