… ein Spannungsverhältnis
Die schlichte Strenge der postmodernen Fassadengliederung durch den Architekt löste in mir ein Gefühl der kühlen Distanziertheit aus. In einer Welt, die in vielerlei Hinsicht zunehmend durch marktschreierische Übertreibungen und Reizübersättigungen geprägt ist, sympathisiere ich gerne – nicht nur, aber auch in der Kunst – mit minimalistischen Ansätzen. Dann wiederum oder auch gleichzeitig verspüre ich meine Begeisterung und Lust an verspielter Lebensfreude, manchmal bis hin zu opulenten und rauschhaft übersteigerten Ausdrucksformen.
Vorgefundene Kontraste
Nach einem mehrstündigen Ausstellungsbesuch ließ ich mich zu einer kurzen Pause auf einer Bank nieder und genoss die milde Sonne eines klaren Herbsttages, hing meinen Gedanken zu Spannungsverhältnissen in der Kunst nach, als mein Blick auf die Wand gegenüber fiel. Augenblicklich regte sich die Frage in mir “war das ’Zufall‘, was ich da vor mir sah, oder haben mich meine Gedanken, ohne dass ich mir dessen bewusst war, im richtigen Moment an die richtige Stelle geführt?“
Der durch die Jahreszeit und die sie bestimmenden Faktoren hervorgerufene Komple-mentärkontrast der Blattfärbung, der kraftvolle Wildwuchs der Efeuranke, der sich um keine Ordnungsprinzipien in seiner Umgebung schert und das beinahe diagonale Streiflicht der Sonne, das der schlichten Strenge der Fassadengliederung buchstäblich in die Quere kommt, sind die Aspekte, die ich in diesem Ausgangsfoto für ein Darpanagram vereint sah.
Barocke Geometrie?
Auch wenn als wesentliche Stilelemente des Barock die Auflösung strikter Symmetrien, ’Unregelmäßigkeiten‘ und die Betonung ’ausgreifender‘‚ naturnaher Formen gelten, so kennt das Barock immer noch sehr viele und starke Bezüge zu Symmetrien und als ’harmonisch‘ empfundenen Proportionen. Das alles hat also auch im Barock – und später ebenso wieder im Jugendstil – durchaus ‘ne Menge mit Mathematik zu tun.
Solche Überlegungen flossen bei der Planung dieses Darpanagrams in die Wahl des Ausgangssegments aus dem Ursprungsbild ein und in die Entscheidung für eine ungeradzahlige Wiederholung und – erstmalig in meinen Darpanagrammen – eine dezentrale Positionierung der Gesamtkomposition auf den vier Bildtafeln. Die gerade Zahl 4 greife ich absichtsvoll in der Bildmitte wieder auf und nutze sie, um durch die dunklen Rauten wieder auf eine (ungeradzahlige) Dreieckform hinzuweisen, die ihrerseits wieder in einer spannungsreichen Beziehung zu der sie umschließenden neuneckigen Form steht.
Farbharmonie in der Negativumkehr
Der neben dem Rot dominante blau-grüne Farbton erlaubt durch eine leichte Farbverschiebung eine assoziative Annäherung der Farbtöne der 4 bzw. achtstrahligen Form in der Bildmitte ohne an irgendeiner Stelle mit dem dominanten Blau-Grün zu verfließen.

Schreibe einen Kommentar