Ein ’Orchester‘ der Farben, Kontraste und Formen

Treppenhaus

Licht und Farbe

Licht und Farbe sind zwei Wahrnehmungsqualitäten, die in unserer Verarbeitung optischer Sinneseindrücke untrennbar verbunden sind. Zwar kennen wir bei niedriger Impulsintensität auch das Sehen nur geringer Kontraste nahezu ohne Farbqualität, weil die dafür zuständigen ’Stäbchen‘ in der Netzhaut (Retina) unserer Augen zahlreicher angelegt und wahrscheinlich auch bei einer niedrigeren Reizschwelle erregbar sind. Die für das farbige Sehen zuständigen zapfenförmigen Sensoren unterscheiden sich in ihren Absorptionsspektren und sind so durch unterschiedliche Proteinanteile in den empfindlichen Zellen für bestimmte Wellenlängen des Lichts sensibilisiert, was den Lichtfarben von Rot über Grün bis Blau entspricht. Über diese ’vordifferenzierten‘ Impulse ist unser Gehirn im sogenannten ’visuellen Cortex‘ in der Lage, einen einigermaßen verlässlich wiederholbaren Farbeindruck zu ’komponieren‘ und bei Bedarf sogar mit gespeicherten ’Memorys‘ abzugleichen.

Die Illusion der Perspektive

Je monochromer sich ein Abbild der Wirklichkeit darstellt, desto spannungsreicher tritt ein intensiv farbiger Lichteffekt in unserer Wahrnehmung hervor und zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Nicht zum ersten Mal stand ich in diesem Treppenhaus des Museums Ludwig im Museumsquartier in Wien, aber zum ersten Mal konnte ich bewusst den tiefen Raum mit seinen spärlichen Farb- und Kontrastakzenten durch den Sucher meiner Kamera als Komposition in der Fläche und ihre spannungsreichen Beziehungen zueinander sehen und war spontan von dieser ’Abstraktion des Raums‘ fasziniert.

Die Geduld, einen Augenblick abzuwarten, bis die klare Linienführung und Flächenverteilung völlig ungestört für mich abbildbar war, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Der Ton macht die Musik

Es ist kein Zufall, dass sich die beschreibende Sprache in der Musik häufig auf dieselben oder auf sehr ähnliche Begrifflichkeiten und Formulierungen stützt, wie die beschreibende Sprache in der bildhaften Kunst.

Erst durch rhythmische Wiederholung und nuancenreiche Variation einzelner Töne und dem harmonischen Zusammenklang verschiedener Instrumente oder deren kontrastierende Gegenüberstellung lässt durch die Imagination des Komponisten und dem sensiblen Einstimmen der Musiker den  Gesamteindruck eines ‘Klangraums‘ entstehen, der uns jenseits allen analytischen Intellekts im Herzen zu berühren vermag.

Das Bild als Einladung an den Betrachter

Erst wenn es dem Künstler/der Künstlerin gelingt,  den/die Betrachter/in so zu berühren, dass er/sie bereit ist, sich auf die Farb-Töne einzulassen, mit seinen/ihren Augen und Gefühlen den angebotenen Akzenten und Hinweisen zu folgen und sich auf die (innere) ’Wanderschaft‘ zu begeben, kann eine Annäherung und damit eine Verbindung und ein Verstehen stattfinden …


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