Die Raute als Symbol

Sandgrube oberhalb d. Weser bei Nienburg

Kulturgeschichte 

Die Raute, also das auf eine Spitze gestellte Quadrat oder -in seiner Abwandlung als spitzes oder stumpfes Parallelogramm- zählt zu den geometrischen Grundformen, die sich seinerseits aus zwei kongruenten, spiegelgleichen gleichschenkeligen Dreiecken bilden lässt. So ist sie in vielen Kulturkreisen als Dekor ebenso wie mit symbolischer Bedeutung archäologisch nachweisbar und auch heute noch mit sehr unterschied-lichen Bedeutungswerten in Gebrauch. Auch viele Firmenzeichen oder Markensym-bole zeigen als Grundform eine Raute.

Zum Beispiel Polynesien

Das auf den indopazifischen Samoainseln tradierte ‘Malu‘ transportiert die Bedeutung von ’geschlossen‘/’beschützt‘ und ist ein bei Frauen zu findendes rautenförmiges Tätowierungsmuster, meist in den Kniekehlen, seltener an anderen Hautfalten in Gelenkbereichen des Körpers. Die Raute, die auch als Symbol für die Vulva steht ist, abhängig von der Körperhaltung bzw. Gelenkstellung, offen oder geschlossen.

Im westlichen Kulturkontext

In europäischen und christlich dominierten Kulturen steht die Raute und ihre Bedeutung in engem Zusammenhang mit dem ’Doppeldreieck‘. Die Symbolik des Dreiecks ist stark abhängig von seiner figürlichen Lage in der Fläche. Mit nach oben gerichteter Spitze steht es semantisch für Stabilität, Kraft, Dynamik, Entschlossenheit, Männlichkeit. Das mit der Spitze nach unten gerichtete Dreieck assoziiert die westliche Kulturtradition mit Instabilität/Labilität, Unsicherheit, Gefahr (!), Empfänglichkeit, Fruchtbarkeit, Weiblich-keit.
Die aneinandergefügte -und weggelassene- Grundlinien der Dreiecke und die so gebildete ’spitze‘ Raute gilt auch in diesen Kulturen als Vulvasymbol. Als solches dient es auch als ’Gaunerzinken‘ auf Hauswänden zur Bezeichnung von Prostituiertenunter-künften.

Aktuell

Zeitgenössisch ist die symbolische Bedeutung der Raute zwar vielfältiger und differenzierter, ihr Sinngehalt aber immer auch im Zusammenhang einer -männlich dominierten- Deutungshoheit mit diesen Grundmustern verknüpft:

In Ablauf- oder Programmplänen beispielsweise steht das Rautensymbol für Zwischen-schritt, in Rechenmaschinen für Zwischensumme, also für ’unfertig‘.

Das heute so geläufige # Hashtag, im Deutschen auch als Doppelkreuz bezeichnet, geht ebenfalls auf das Rautensymbol zurück, hat aber im anglikanischen Sprachraum eine andere Verwendungsentwicklung genommen als im Deutschen. Es basiert auf der Idee einer Drittelteilung und steht damit im assoziativen Bezug zum sog. ’Goldenen Schnitt‘ – also die ’ideale Form‘. Informatiker bezeichnen eine in Programmiersprachen oft genutzte Zeichenkombination #! als  (man höre und wundere sich), “shebang“  und ‚Gefühlsäußerungen‘ werden ohne Leerzeichen zu Beginn und zum Abschluss jeweils mit # gekennzeichnet.

Ein Tip zum Schluss

Natürlich wussten Künstler und Maler aller Generationen um die Symbolik der Raute. Bei Deinen nächsten Museums- und Ausstellungsbesuchen behalte das im Hinterkopf. Möglicherweise stößt Du bei Deinen Bildbetrachtungen und Kompositionsstudien auf mehr oder wenig ’versteckte‘ Rauten als Gestaltungsmuster. Da stellt sich die Frage nach dem Warum … ?


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