Spiegel spiegeln Spiegelungen

NordArt Showroom

Die ewige Illusion

Wände brauchen Bilder, aber nicht jede Wand braucht ein Bild. Bilder brauchen Wände, aber nicht jedes Bild, braucht eine Wand.
Kunstausstellungen brauchen Publikum, aber nicht jedes Publikum braucht eine Kunstaus-stellung – Interessen und Geschmack sind eben unterschiedlich. Glücklicherweise!
Spiegel brauchen Objekte – was sonst sollen sie spiegeln? Was wäre Narziss ohne Spiegel?
Narziss braucht den Spiegel, aber der Spiegel braucht Narziss nicht! Wer überhaupt baucht Narziss?  – … die Mode? … und Narziss selbst braucht Narziss.
Wie man es auch dreht und wendet, umklappt, verschiebt, widerspiegelt, wiederholt. Das Spiegelbild  – es bleibt eine Illusion, es bleibt Maya.

Das Dilemma des Abbilds

Unsere wahrgenommene Umwelt ist räumlich dreidimensional und beinhaltet seit Einsteins Relativitätstheorie in unserem Bewusstsein die Zeit als vierte Dimension.
Selbst heute wissen wir nicht genau, wann der Mensch begonnen hat, sich ‘ein Bild‘ seiner Umwelt zu machen und warum. Im orthodoxen, reformierten und anglikanischen Kanon der christlichen Tradition verbietet das zweite der Zehn Gebote die bildhafte Darstellung Gottes ausdrücklich. Im katholischen und protestantischen Kanon wurde das Abbildungsverbot Gottes in die Interpretation ’versteckt‘. Der Islam kennt das Bilderverbot als Dogma.

Bilderverbot und ikonographische Kunst

Löst man seine Vorstellung Gottes von einer ’Person‘ und folgt der Etymologie des Begriffs, ist der Bedeutungsinhalt des “All-Einen“ naheliegend. Folgt man philosophisch diesem Gedanken, geraten mindestens die christlichen Kulturtraditionen in ein Dilemma. Dann verkörpert unsere gesamte wahrnehmbare Umwelt in sämtlichen Erscheinungsformen quasi holographisch ’Gott‘ und fiele damit unter das Bilderverbot. Aus heutiger kunsthistorischer Sicht kann man die ikonografische Kunst der Romanik und Gotik als Versuch betrachten, sich diesem Dilemma zu entziehen. Erst mit dem Sinneswandel in der beginnenden Renaissance setzte man sich darüber hinweg.

Ein anderer Gedankenstrang zum ersten Satz des zweiten Abschnitts:

Mit dem ’Abbilden was man sieht‘ auf einer mehr oder weniger ebenen Fläche beginnt die ‘Abstraktion‘, indem man die dritte räumliche Dimension eben ‘weg-nimmt‘, egal, welche Abbildungstechnik man benutzt. Egal wie gut und präzise die Kenntnisse über ’perspektivische Projektionen‘ sind und angewendet werden, die räumliche Tiefe in der Abbildung bleibt eine Illusion, bleibt Maya.

Abstrakte Kunst als ’Ausweg‘?

Diesem Dilemma der ’gegenständlichen‘ Kunst kann man nur ‘entfliehen‘, wenn man den Weg der Abstraktion konsequent zu Ende geht und entweder ’innere Zustände‘ und Prozesse, oder Emotionen zum Gegenstand seiner Bilder macht. Dann ist das Abbild ’konkrete Kunst‘ und assoziative Bilder entstehen ’nur‘ im Gehirn des Betrachters. Lediglich das Bild als Gegenstand aus Rahmen, Farbträger und Farben wird der Welt, dem All-Einen, also ‘Gott‘ geschenkt, über- oder hinterlassen.
Die Bildsprache von Darpanagrammen und ihre Aufforderung ’genau hinzusehen‘ und sich mit dem ’glauben was man sieht‘ nicht zufrieden zu geben ist daraus erwachsen und bewegt sich in den ’Grauzonen‘ oder Unschärfen dazwischen.


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